Die Geschichte der Höritzer Passionsspiele

Die Passionsspiele in Hořice na Šumavě sind Teil einer langen Tradition dieses Ortes. Die Passionsgeschichte entfaltet sich vor dem Hintergrund der Geschichte der Marktgemeinde sowie der historischen und politischen Veränderungen über zwei Jahrhunderte hinweg.

Marktgemeinde Hořice na Šumavě

Hořice na Šumavě gehört zu den ältesten Siedlungen der Region Český Krumlov.

Die erste schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1272, als Hořice mit seiner nächsten Umgebung ein Gut war, das den Herren von Kosova Hora gehörte. Weitere Besitzer waren Záviš von Falkenstein und später Vítek von Krumlov.

Im Jahr 1290 bestätigte König Wenzel II. den Verkauf von Hořice an das Zisterzienserkloster in Vyšší Brod. Im Jahr 1375 wurden Hořice zur Stadt erhoben und erhielten einen Richter, Ratsherren und eine eigene Gerichtsbarkeit.

Eine erhaltene Pergamenturkunde aus dem Jahr 1549 des Abtes Paul aus Vyšší Brod verleiht Hořice den Status einer Marktgemeinde.

Hořice na Šumavě cca 1894

Obsah stránky

Entstehung der Tradition der Passionsspiele

Die Tradition der Passionsspiele reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück und ist eng mit den schweren Lebensbedingungen der einfachen Bevölkerung verbunden.

Die Religion wurde zu einem Ausweg aus dem Leid. Das einfache Volk verband seine eigenen Sorgen und Nöte mit dem Leiden Christi und glaubte an die Hoffnung auf Auferstehung und bessere Zeiten.

Gut und Böse wurden in volkstümlichen Spielen mit religiösem Inhalt dargestellt, die stets die Zeit ihrer Entstehung widerspiegelten.

Diese Aktivitäten erloschen jedoch im Laufe des 17. Jahrhunderts allmählich infolge der andauernden Kriege.

Die Geburt der Tradition

Jahr 1816 – die ersten Höritzer Passionsspiele

Die erste schriftliche Erwähnung der Höritzer Passionsspiele stammt aus dem Jahr 1816. Ihr Autor war Höritzer Weber und Sammler Paul Gröllhesl.

Die erste schriftliche Erwähnung der Höritzer Passionsspiele stammt aus dem Jahr 1816. Die Tradition der Höritzer Passionsspiele entspringt dem religiösen Empfinden der einfachen Bevölkerung von Hořice. Ihr Autor war Höritzer Weber und Sammler Paul Gröllhesl, der sich von einer bekannten Vorlage des deutschen Kapuziners Martin (Linus) von Cochem (1634–1712) inspirieren ließ. Mit Hilfe des Pfarrers verfasste er den Text für das Passionsspiel mit dem Titel: „Das Leiden und der Tod unseres Herrn Jesus Christus – ein Trauerspiel in fünf Akten mit Vorspiel“ und begründete damit faktisch eine neue Tradition der Höritzer Passionsspiele. Das Stück studierte er ein und führte es noch im selben Jahr gemeinsam mit weiteren Bürgern aus Hořice auf.

In den Jahren 1816–1840 wurde an den Fastensonntagen und während der Osterfeiertage in den Sälen der örtlichen Gasthäuser gespielt – ohne Kostüme. 

Später, in den 1880er-Jahren, führte der örtliche Amateurtheaterverein die Passionsspiele auf, und die Schauspieler spielten bereits in Kostümen. Die Tradition der Spiele und ihr wachsendes Niveau sorgten dafür, dass ihr Ruf weit über die Grenzen hinausreichte und zur Organisation von Passionsspielen in ganz Europa anregte – von Österreich bis nach Spanien.

Goldene Ära – Jahr 1893

Dank Professor Josef Johann Ammann wurden die Höritzer Passionsspiele zu einem aufwendig inszenierten Großtheater von europäischer Bedeutung.

Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelten sich dank des Professors aus Český Krumlov, Josef Johann Ammann, prachtvolle und groß angelegte Passionsspiele, die im darauffolgenden Jahr vom Propst Landsteiner überarbeitet wurden.

Den ursprünglichen Text von Gröllhesl überarbeitete Professor Ammann. Da er aus Tirol stammte, ließ er sich von den damaligen Passionsspielen in Oberammergau und Brixlegg inspirieren. Für sein Vorhaben gewann er die Unterstützung der Bürger von Hořice sowie des deutschen Vereins Deutscher Böhmerwaldbund, der

die Entwicklung des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens der deutschsprachigen Bevölkerung der Böhmerwaldregion förderte.

Dank des bedeutenden Beitrags des Vereins und mit Hilfe der örtlichen Bürger wurde ein Theatergebäude mit einer Kapazität von 1.500 Plätzen errichtet und bereits ein Jahr später auf 2.000 Zuschauerplätze erweitert. Auf seiner Bühne wirkten rund 300 Personen mit. Die Premiere der großen Passionsaufführung fand am 25. Juni 1893 statt. Noch im selben Jahr sahen etwa 40.000 Zuschauer die Höritzer Passionsspiele

Die musikalische Begleitung der Passionsaufführung wurde in den Anfangsjahren des Theaters auch von der Bergkapelle aus den fürstlich-schwarzenbergischen Bergwerken im heutigen Černá v Pošumaví übernommen. Im Jahr 1912 konnte die Kapelle jedoch nicht mehr an den Höritzer Passionsspielen teilnehmen, da – wie der Direktor der fürstlichen Graphitbergwerke erklärte – aus den vorhandenen Bergleuten kein ausreichend großes und qualitativ hochwertiges Ensemble mehr zusammengestellt werden konnte.

Damals wandte sich Josef Taschek, Direktor des Vereins Deutscher Böhmerwaldbund, an den Krumauer Herzog Adolf Josef zu Schwarzenberg mit der Bitte, Grenadiere der herzoglichen Leibgarde zum Passionsspieltheater nach Hořice na Šumavě zu entsenden. Die Erledigung der Bitte übernahm der Erbprinz Johann Nepomuk II., und die Gardekapelle wurde auf Befehl noch in der Saison 1912 in die Höritzer Passionsspiele eingebunden. Die Kapelle der schwarzenbergischen Grenadiere stellte für die Passionsspiele eine große Bereicherung dar, da sie als eines der renommiertesten Ensembles der gesamten Region galt.

Die Passionsspiele wurden weithin bekannt, und so ist es nicht verwunderlich, dass sie damals von bedeutenden Persönlichkeiten besucht wurden, beispielsweise von Mitgliedern der kaiserlichen Familie, vom Fürsten Schwarzenberg sowie von hochrangingen Kirchenvertretern. Im Gegensatz zu anderen Passionsspielorten, an denen Aufführungen meist nur in mehrjährigen Abständen stattfinden, wurden sie in Hořice häufiger gespielt. Lediglich während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurden die Spiele unterbrochen. Im Jahr 1936 wurden die Passionsspiele zum letzten Mal aufgeführt. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Theater als Lager für militärische Ausrüstung.

Historická fotografie z inscenace - křížová cesta
Historická fotografie z inscenace - křížová cesta

Unterbrechung

Die Passionsspiele wurden bis zum Jahr 1936 aufgeführt. Während der Kriege wurde die Tradition unterbrochen

Nach Kriegsende beschlossen die neu angesiedelten Bewohner von Hořice, die Tradition der Passionsspiele wiederzubeleben. Der Anstoß zur Erneuerung ging von einem Aufruf Jaroslav Tomáš Vetešník aus.

Das Gebäude wurde repariert, und unter der Leitung des Bürgers von Hořice Jaroslav Tomáš Vetešník und des Pfarrers von Kájov, Jan Václav Straka, begannen sie gemeinsam mit den Einwohnern von Hořice, das Spiel mit einer tschechischen Übersetzung des Landsteiner-Textes einzustudieren.

Bereits im Jahr 1947 fanden im Theater die ersten auf Tschechisch gespielten Passionsspiele mit reduziertem Inhalt statt. Im folgenden Jahr wurden sie ein zweites Mal aufgeführt, diesmal bereits vollständig. Die Aufführung der Spiele in dieser Zeit – eigentlich zum ersten Mal auf Tschechisch – war ein Symbol für das Aufkommen der tschechischen Sprache und Bevölkerung in der Region.

Nach dem Februar 1948 bestand seitens der staatlichen und parteilichen Vertreter kein Interesse mehr daran, dass ein Stück mit religiöser Thematik weiterhin aufgeführt wird.
Die Aufführungen wurden verboten, und das Theatergebäude wurde als Schafstall genutzt, später verwüstet und schließlich ebenso wie das nahegelegene Kirchlein abgerissen.

Die Tradition der Passionsspiele wurde zum Vergessen verurteilt, und nur gelegentlich wurde unauffällig erwähnt, dass hier einst Passionsspiele aufgeführt wurden und dass sie sogar mehrmals verfilmt worden waren. Um diese Erinnerungen bemühte sich vor allem der örtliche Chronist Herr Šimeček.

Pašijové divadlo 1893
Pašijové divadlo 1893

Die Passionsspiele der Neuzeit

Nach 1989 entstand ein starkes Bestreben, an die unterbrochene Tradition anzuknüpfen. In Hořice bildet sich erneut ein Ensemble, es entstehen ein neuer Text, neue Musik und neue organisatorische Strukturen – und die Passionsspiele kehren in das Leben der Gemeinde zurück.

Ende 1990 wurde die Gesellschaft zur Erneuerung der Passionsspiele in Hořice na Šumavě – Passion – gegründet. Der Impuls kam aus der Atmosphäre nach der Samtenen Revolution und aus der Initiative des ersten frei gewählten Bürgermeisters der Gemeinde, Ing. Miroslav Čunát.

Zu den Mitbegründern gehörten auch Ing. Karel Fila, Emil Soukup (damals Vikar in Český Krumlov), Růžena Hotová und Alena Bublíková, die Josef Šuga für die Rolle des ersten Jesus gewann.

Ziel war es, Materialien zu sammeln, eine Ausstellung zu organisieren, Kontakte zu knüpfen und sich auch im Ausland inspirieren zu lassen. Der Wunsch, die Passionsspiele wieder aufzuführen, schien damals fast unmöglich – das Theater war zerstört, Kostüme und Kulissen waren verschwunden, und es musste ein neuer Text geschaffen werden (die ursprüngliche deutsche Version dauerte über fünf Stunden).

Es gingen zwei Textvorlagen ein: eine von Herrn Berka aus České Budějovice und eine von PhDr. Jindřich Pecka. Nach Beratungen wurde die Vorlage von PhDr. Jindřich Pecka ausgewählt.

Die Musik komponierte Jaroslav Krček. Wichtige Hilfe waren Konsultationen und Materialien von Mgr. Petr Jelínek, dem damaligen Direktor des Regionalmuseums in Český Krumlov.
Petr Jelínek schuf später gemeinsam mit Fräulein Kohoutková auch das Passionsmuseum in Hořice na Šumavě.

Ein entscheidender Fortschritt trat ein, als sich nach der Lektüre eines Zeitungsartikels der Regisseur Antonín Bašta (Intendant des Südböhmischen Theaters) meldete. Er überarbeitete den Text teilweise und arbeitete an der Bühne mit seinem Schwager, dem Architekten Antonín Dvořák, zusammen.

Im Frühjahr 1993 nahm Musica Bohemica unter der Leitung von Jaroslav Krček die Musik für die Passionsspiele auf.
Frau Strašrybková entwarf die Kostüme und nähte sie gemeinsam mit den Frauen des Ensembles; das Material konnte günstig im Jitex in Písek beschafft werden.

Für die Aufführung wurde der Raum der ehemaligen Schießanlage im Waldpark ausgewählt, in unmittelbarer Nähe des ursprünglichen Theaters. Es entstand eine Naturbühne, doch dem ging ein enormes Engagement der Passionsgesellschaft sowie der örtlichen Bewohner voraus.

Bürgermeister Čunát war die treibende Kraft der Vorbereitungen – innerhalb von drei Monaten mussten Entwässerungs- und Geländearbeiten durchgeführt werden, die Bänke (512 Sitzplätze) eingebaut, Palisaden, Tische, Stühle und ein Kreuz gefertigt, Umkleideräume und sanitäre Anlagen angepasst,
die Wasserversorgung und Kanalisation verlegt, die Stromversorgung verstärkt, eine Zufahrtsstraße geschaffen sowie eine Konstruktion zur Überdachung des Zuschauerraums errichtet werden.

Die originelle Überdachung entwarf Lubomír Pánek, ebenso die Bühne am bewaldeten Hang.
Zu den Anpassungen gehörte auch die Rekonstruktion des Denkmals für Josef Johann Ammann, die finanziell von Růžena Hotová unterstützt wurde.

Die Premiere der wiederaufgenommenen Passionsspiele fand am 26. 6. 1993 statt – genau 100 Jahre und 1 Tag nach der Premiere der Ammanns Passionsspiele.

Auf dem Marktplatz wurde das Denkmal „Allen, die sich um die Passionsspiele verdient gemacht haben“ aufgestellt, das von R. Paydl finanziert wurde. Es folgten eine feierliche Messe, zelebriert vom Generalvikar Dvořák, sowie die Eröffnung einer Ausstellung im Pfarrhaus.

In der Saison 1993 wurden 9 Vorstellungen mit insgesamt 1.826 Zuschauern gespielt. Nach dem Erfolg des ersten Jahres entstand eine feste Grundlage für eine neue Tradition. Abendvorstellungen wurden ab dem Jahr 1999 gespielt.

Bei der Auswertung des Wettbewerbs für bürgerschaftliche kulturell-gesellschaftliche Aktivitäten des Jahres 1996 belegten die Höritzer Passionsspiele den 1. Platz und erhielten den Preis für die Entwicklung lokaler Bürgeraktivitäten (Stiftungen Patria und Platz im Herzen).

Die Auszeichnung wurde 1997 auf der Prager Burg überreicht. Hořice wurde zum ersten Gewinner dieses Wettbewerbs, an dem insgesamt 149 Projekte teilnahmen.

Nach dem Tod des Regisseurs Antonín Bašta (1998) übernahm Mgr. Jiří Šesták vom Südböhmischen Theater die Regie.
Einen Teil der Proben leitete anschließend der Vorsitzende des Stiftungsrates, Herr Bublík, der sich selbstlos um technische und organisatorische Angelegenheiten bis zum Jahr 2003 kümmerte.

Im Jahr 2003 hörte die Stiftung faktisch auf zu existieren.

Nach ihrem Ende entstand die Gesellschaft zur Bewahrung der Höritzer Passionsspiele.
Die Initiative ergriff Vítězslav Kučera, der zum Vorsitzenden der neuen Gesellschaft gewählt wurde. Die Tradition der jährlich aufgeführten Passionsspiele wurde fortgeführt

Im Jahr 2004 wurde eine Partnerschaft mit dem Passionsspielensemble aus der niederbayerischen Gemeinde Perlesreut aufgenommen.

Zu Ostern 2005 und 2006 wurde eine gekürzte Fassung der Passionsspiele auf der Prager Kampa aufgeführt – für viele Mitwirkende ein starkes Erlebnis, in einer Prozession über die Karlsbrücke zu gehen und die Geschichte Jesu vor einem großen Publikum zu spielen.

Josef Šuga - První porevoluční představitel Ježíše

Schöpfer und Mitwirkende

Tvůrčí tým

Scénář
Jindřich Pecka
Hudba
Jaroslav Krček
Úprava scénáře a režie
Antonín Bašta
Režijní dohled
Jakub Baran
Scéna
Antonín Dvořák
Architektonický návrh areálu
Lubomír Pánek

Technické a hudební zajištění

Kostýmy
Alena Strašrybková
Úprava kostýmů
Veronika Kutláková
Sólový zpěv
Lubomír Vraspír
Hlas Ježíše
Jiří Šesták
Nahrávka hudby a zpěvu
Musica Bohemica, vedoucí a dirigent Jaroslav Krček
Zvuk, osvětlení
Václav Brož

Jaromír Vesecký – apoštol

Ladislav Janoš – apoštol

Miroslav Straka – apoštol

Jan Křivohlávek – apoštol

Dana Halešová – Veronika

Jan Winzig – apoštol Petr

Helena Jelínková – chór

Miroslav Veverka – setník

Jaroslava Šíchová – chór

Jaroslav Merunka – apoštol

František Bublík – Annáš

Alena Bublíková – Marie

Daniel Hovorka – setník

Josef Selecký – apoštol Jidáš

Marta Merunková – chór

Die Passionsspiele heute

Die Tradition der modernen Passionsspiele lebt bis heute weiter. Die Gesellschaft hat mehr als siebzig Mitglieder, die sich jeden Frühling treffen, um diese tiefgehende Geschichte weiterzugeben.

Im Jahr 2026 feiern wir symbolische 33 Jahre der modernen Passionsspiele.

Für Mitglieder und Mitwirkende